Die Museumsgeschichte

Entwicklung und Ziele des Museum für feldspurige Industriebahnen Osnabrück-Piesberg

Angefangen hatte alles mit einer Kipplore und fünf Metern Gleis, die man im Sommer 1986 zwischen Schrott und ausgedienten Abbaumaschinen eines nahegelegenen Torfwerkes fand. Daraus wuchs das Interesse solch ein Fahrzeug zu übernehmen und am Bahnhof Preußisch-Oldendorf der Wittlager Kreisbahn als Denkmal aufzustellen.

Als uns jedoch ein Bekannter seinen Garten und eine Garage zum Restaurieren und Hinterstellen anbot, wurde der Wunsch nach weiteren Fahrzeugen größer und das Projekt am Bahnhof in Preußisch-Oldendorf hatte sich erübrigt.

Nachdem man anfangs nur Fahrzeuge gesammelt hatte, kristallisierte sich der Gedanke an ein privates Museum heraus. Im Januar 1988 wurde uns, nach dem der Fahrzeugbestand auf sieben Loren und eine Lokomotive angewachsen war, ein geeignetes Gelände in Ostercappeln-Hitzhausen angeboten. Dort wurde noch im selben Jahr das Museum für feldspurige Industriebahnen gegründet.

Es wurde ein Konzept erarbeitet und gezielt nach Fahrzeugen Ausschau gehalten, um sie in die Sammlung zu integrieren. Zwischenzeitlich wuchs die Zahl der Lokomotiven auf 16, sowie die der Wagen und Loren auf ungefähr 80.

Als Lokschuppen und Werkstatt bot sich im Juli 1994 die Möglichkeit, einen auf dem Grundstück gelegenen, ausgedienten Stall zu übernehmen. Diese Räumlichkeit wurde im November 1995 soweit fertiggestellt, daß nunmehr ein Großteil des Lokomotivparks geschützt untergestellt werden konnte.



Der Lokschuppen in Ostercappeln - Hitzhausen.


1997 vollzogen wir die vorläufige Vollendung unserer Fahrstrecke in Ostercappeln-Hitzhausen, wodurch wir in der Lage waren, einen Fahrbetrieb mit mehreren Zuggamituren gleichzeitig durchzuführen.

Zum Jahreswechsel 2008/2009 erfolgt nun Schrittweise der Umzug unseres Museums zum Piesberg in Osnabrück.

Ausgehend von dem Gedanken, schienengebundene Flurfördermittel unterschiedlichster Bauart und Baujahre zu bewahren und nach ihrer Restaurierung der interessierten Öffentlichkeit, auf einem eigenen Gleisnetz, mit unterschiedlichen für Feldbahnen typischen Oberbauformen vorzuführen, entstand im Laufe der vergangenen fast 25 Jahre eine umfangreiche, alle Bereiche und Anwendungsarten umfassende Sammlung von Lokomotiven, Wagenmaterial und anderen diese Entwicklung begleitenden Materialien und Exponaten.



Die ehemalige Deutz-Lokomotive des Steinbruchs Holperdorp links im Bild und
die Jung EL 110 gehören am Piesberg zur Erstausstattung.


Als primäre Ziele hatten sich bereits in den ersten Jahren die Bewahrung, insbesondere regionaler Feldbahnfahrzeuge, die Vorführung derselben auf einer längeren Fahrstrecke und zusätzlich die dokumentarische Begleitung der Sammlung mittels zeitgenössischem Foto- und Archivmaterials, sowie typischer Werkzeuge herauskristallisiert. Diese Ziele werden auch bis zum heutigen Zeitpunkt akribisch betrieben.

Heutzutage verfügt das Museum für feldspurige Industriebahnen über 27 Lokomotiven unterschiedlichster Baujahre, weiterhin über zirka 100 differente Feldbahnwagen und Loren, sowie über umfangreiches Dokumentations- und Archivmaterial dieser vergangenen Epoche.



Bremsberganlagen am Piesberg ungefähr 1950.


Der schwierige Wunsch, möglichst alle Anwendungsarten von in früheren Zeiten verwendeten Feldbahnfahrzeugen zeigen zu können, führte letztlich dazu, dass das Museum für feldspurige Industriebahnen heutzutage sicherlich eine der umfangreichsten Sammlungen historischen Rollmaterials aus allen Einsatzgebieten in der Bundesrepublik Deutschland besitzt.



Übersicht einer Abbauebene im Steinbruch Piesberg 1951.


Rübenwagen des ehemaligen Rittergutes Oedelum bei Hildesheim.


Bedingt durch die Verlagerung des Standortes unseres Museums in den Bereich des Piesberger Steinbruchs in Osnabrück ergab sich die Möglichkeit, einerseits den Einsatz des musealen Rollmaterials in passendem historischen Gelände darzustellen (Steinbruch Piesberg), andererseits wurde eine optimale Ergänzung und Aufwertung der bereits in diesem Einzugsgebiet vorhandenen Museen und touristischen Einrichtungen, nicht zuletzt durch die Anbindung und auch Verbindung mittels einer Gleisstrecke, erreicht.



Gefüllte und entleerte Kippwagen an einer Bremsberganlage des Piesberges.


Da im Gelände des Steinbruchs bis zum Beginn der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts Feldbahnen im großen Stile im Einsatz waren, und sich in unserer Sammlung auch die letzten vor der Verschrottung geretteten Fahrzeuge dieses Betriebes befinden, war der Neuaufbau einer solchen Feldbahnanlage auf, zu einem großen Teil noch vorhandenen alten Trassen, sehr reizvoll und bedeutet auch unter Berücksichtigung der dort stattfindenden und geplanten Entwicklung des Berges eine optimale Ergänzung und Erweiterung der touristisch zugänglichen Sehenswürdigkeiten im Gebiet der Stadt Osnabrück und der angrenzenden Gemeinden.



Kastenwagen zum Kippen in Kreiselkippanlagen gefertigt für den Piesberg in Osnabrück bei der Georgsmarienhütte um 1954.
Hiervon sind die letzten beiden Exemplare in unserem Museum erhalten.


Deutz-Diesellok im Torfwerk Ainring in Bayern. Ausgeliefert wurde sie im Jahre 1955 an den Piesberg in Osnabrück.
Seit dem Jahre 2005 ist sie als letzte betriebsfähig erhaltene Lok des Piesberges im Bestand des Museums.


Bedenkt man das der Piesberger Steinbruch einmal der größte Hartsteinbruch Europas war und über ein Feldbahnnetz von über 100 Kilometern verfügte, auf dem gleichzeitig ca. 20 Lokomotiven und mehr als 2000 Loren und Wagen eingesetzt waren, so muss der Stellenwert einer solchen musealen Feldbahnschauanlage ruhig sehr hoch angesiedelt werden; zumal sich in der umfangreichen Sammlung sehr viele einmalige Exponate befinden.



Karte des Piesberger Steinbruchs von ungefähr 1937 mit eingezeichneten Feldbahnstrecken.